„Heimat – tiefes, liebes Wort der Seele – leise hingehaucht. Kaum vernommen, schon zerronnen. In der Seele blüht es wieder auf.“ (Dr. Carl Peter Fröhlich)

Haben Sie gerade darüber nachgedacht, was Heimat für Sie persönlich bedeutet? Wann fühlen Sie sich zu Hause und was empfinden Sie dabei?

Die klassische Definition von Heimat trifft auch heute noch zu: Heimat ist dort, wo unsere Wurzeln sind. Schon die Gebrüder Grimm schrieben im Jahr 1877 in ihrem Buch: „Heimat, das Land oder auch nur der Landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden Aufenthalt hat“.  Hier fühlen wir uns geborgen und aufgehoben. Wir haben eine Beziehung zum Ort und den dort lebenden Menschen aufgebaut und erfahren. Unser Umfeld scheint berechenbar und wir wissen, wie man das Leben organisiert. So haben wir uns eine vertraute Lebenswelt angeeignet und soziale Zugehörigkeiten ausgebildet. Dieses Ankommen haben wir wie aus Kinderzeiten als positives Lebensgefühl verinnerlicht. Es gibt uns inneren Schutz und Halt, ein Urvertrauen. Heimat ist demnach etwas ganz Persönliches. Jeder von uns verbindet etwas anderes damit. 

„Zurück zu den Wurzeln“ erlebt zurzeit eine echte Wiederentdeckung. Regional produzierte Nahrungsmittel werden zahlreich konsumiert, antimoderne Heimatfilme auf YouTube gestreamt und lokale Kunst- und Musikveranstaltungen besucht. Wir nutzen soziale Netzwerke und schaffen damit einen neuen Heimatraum, eine Art „Netzheimat“. Ein virtuelles Zuhause, wo man gehört und verstanden wird und auf Gleichgesinnte trifft. Mit den Flüchtlingszuwanderungen verbinden wir Heimatwechsel. Egal, wohin wir schauen: Heimat kommt vermehrt ins Gespräch und ist zu einem wiederentdeckten Schatz in unserer multikulturellen und digitalen Welt geworden. 

Heimkehren oder loslassen

Für die Psychologin Prof. Dr. Beate Mitzscherlich ist die neue Sehnsucht nach Heimat kein Zufall: „Dieser Rückbezug auf Heimat kommt immer dann, wenn die Außenwelt unsicher und unheimlich ist. Offensichtlich wächst in diesen Zeiten das Bedürfnis nach Orientierung, Sicherheit und Geborgenheit – eben nach Beheimatung.“, wie es Beate Mitzscherlich nennt.

Heimweh mag für viele Menschen ein Widerstand gegen eine schnelllebige, leistungsorientierte und digitale Welt sein. Wir sind es gewöhnt durch den Tag zu hetzen, mit den Gedanken in die Vergangenheit oder die Zukunft zu reisen und somit das Hier und Jetzt bestenfalls als Zwischenstation zu betrachten. Also bleiben wir in unserem bisherigen Leben anteilnahmslos hocken, schwelgen in schönen Erinnerungen und warten auf bessere Zeiten. Oder wir sind Getriebene und suchen pausenlos nach dem perfekten und sinnerfüllten Leben. Es bleibt jedenfalls keine Zeit zum Innehalten.

Gehen oder bleiben? Loslassen oder Heimkehren? Diese Spannung prägt schon die Bibel und ist bis heute Teil unseres täglichen Lebens. Nicht umsonst hat laut biblischer Überlieferung Gott den Menschen den Namen »Immanuel« gegeben: »Gott ist mit uns.« – Eine Heimat, die begleitet. 

Sobald wir nur noch in einer Richtung leben und aufhören uns wahrzunehmen sowie unser Leben aktiv zu gestalten, beginnen wir zu funktionieren. Wir fühlen uns zunehmend erschöpft, erleben Konflikte in unseren Beziehungen und ziehen uns zurück ins Schneckenhaus. Dabei geht uns etwas sehr kostbares verloren: das einfache SEIN, unser Urvertrauen, UNSERE HEIMAT.

Wie wir uns Heimat selbst schaffen können

„Ist der Weg nicht schon Heimat?“ – Miguel de Unamuno y Jugo

Wo gehören wir nun hin? Was ist unser Zuhause in einer Zeit, in der sich immer weniger Menschen sinnstiftend dem Ort verbunden fühlen, an dem sie geboren wurden? In welchem Radius können wir uns heimatlich fühlen? Jeder von uns benötigt einen Ort, an dem er sich geborgen und willkommen fühlt. Ein Ort, wo er ganz er selbst sein kann. Ein Ort, an dem er sich selbst vertraut und anderen vertrauen kann – im innen und außen. 

Gestalten Sie Ihre äußeren Bedingungen so, dass sie zu Ihnen passen!

Oft folgen wir unbewusst unseren Prägungen und Glaubenssätzen und schaffen ein vermeintliches Zuhause, das kein echtes zu Hause ist. Bekanntes wird mit Heimat verwechselt. Denken wir an eine Sonnenblume, die sich stets dem Licht zuwendet, um gesund und kräftig zu wachsen. Die aber verkümmert und wenig blüht, wenn sie von jemandem in den Schatten gepflanzt wird – also einen ihr schon bald bekannten Ort, der aber nie ihre wahre Heimat sein kann.

Machen Sie sich selbst bewusst, WAS Ihnen persönlich entspricht und WO Sie sich wohl- und wertgeschätzt fühlen. 

Heimat ist dort, wo wir wir selbst sein dürfen. Um diesen Ort, dieses Gefühl und Lebensziel zu leben, brauchen wir einen beständigen Dialog nach innen und außen. Immer wieder bedarf es einer Frage, die von jedem Einzelnen beantwortet werden will: Welche Bedingungen muss ich schaffen, um ein Leben entsprechend meinem Wesen zu führen?

Diese 7 Lebensbereiche sollten im Einklang stehen

Das Leben als Eltern ist durch sieben Lebensbereiche geprägt. Sie hängen zusammen und bilden ein Ganzes. Sie sind Ausgangspunkt, um eine Heimat zu besitzen und sich beheimatet zu fühlen. Alle Bereiche bedingen einander und können nicht getrennt voneinander gesehen werden. Somit betrachten wir eine schwierige Situation nicht isoliert sondern können mehr Wege und Möglichkeiten zur Lösung einsetzen:

  • Partnerschaft
  • Familie
  • Beruf
  • Individualität / Hobbys
  • soziale Kontakte
  • Gesundheit
  • Glaube

Denken wir noch einmal an die Sonnenblume: Vielleicht stand sie zu lange unbemerkt im Schatten oder sie leidet unter Staunässe? Sobald wir das erkennen, können wir sie in eine neue, passendere Heimat umpflanzen. Nehmen Sie sich die Zeit, innere Ruhe und einen klärenden und ehrlichen Blick, um nun eine persönliche Bestandsaufnahme durchzuführen. Folgende Fragen können Ihnen bei der Selbstreflexion helfen:

  • Was ist Ihre wahre Identität in den einzelnen Bereichen?
  • Leben Sie zurzeit das, was Ihnen persönlich entspricht?
  • Wo belasten Sie Konflikte?
  • In welchen Segmenten verbergen sich Ängste, Sehnsüchte oder Erschöpfung?
  • Wie stark und wenig sind Ihre Bereiche ausgebildet?

Sobald wir in jedem der sieben Lebensbereiche dort stehen, wo wir stehen wollen, fühlen wir uns zu Hause. Erst wenn wir uns über unser eigenes Wesen bewusst werden und ihm einen Ausdruck im Leben geben, kommen wir an und fühlen uns geborgen. Das setzt voraus, dass wir das Leben als Wesen anerkennen wie es ist und wir immer wieder den Mut aufbringen uns kritisch zu hinterfragen und entsprechend zu handeln. „Der zu sein, der man ist“ lässt Beheimatung zu und führt schließlich zu einem zufriedenen und gesunden Leben.

Legen wir los!