Das Denken ist etwas, was im Kopf abläuft und uns täglich begleitet. Einmal überschlagen sich unsere Gedanken. Ein anderes mal haben wir einen leeren Kopf, der nichts aufnehmen mag. Und dann wiederum drehen sich unsere Gedanken grübelnd im Kreis: Warum dieses Gedankenkreisen so gefährlich ist und wie Sie dagegen ankommen können, erörtere ich in diesem Beitrag.

Wie gefährlich Gedankenkreisen ist

Innerhalb eines Tages können wir bis zu 70.000 Gedanken verarbeiten. Das heißt, jede Sekunde denken wir einen neuen Gedanken, Tag und Nacht. Unser Gedankengut dient dazu, unsere eigene Welt und uns selbst zu konstruieren. Damit besitzen wir die natürliche Fähigkeit uns Dinge vorzustellen, zu träumen, zu erfinden, zu kommunizieren, zu entdecken und die Realität – also unser Leben – zu beeinflussen. Allerdings bleibt diese Fähigkeit nicht immer so unberührt. Sie kann durch unsere Art zu leben belastet werden. Infolge der Fülle an Gedanken kann es uns schwer fallen, jeden Einfall bewusst zu kontrollieren, zur Ruhe zu kommen und innere Klarheit zu gewinnen. Die „Mitte des Denkens“ kann uns abhanden kommen.

Auch Eltern befinden sich gedanklich im Gestern und im Morgen. Wir werden durch unsere eigenen Kindheitserinnerungen abgelenkt, denken über Zukunftspläne unserer Kinder nach, grübeln über den Sinn des Lebens, ohne dabei eine Lösung zu erhalten, üben Selbstkritik und bewerten unser Umfeld. Alles Mögliche drängt sich auf, um unsere Seelenruhe zu stören. Oft sind diese inneren Dialoge und unsere erlebten Gefühle trüb und verinnerlichen unsere Leiden, Ängste, Kränkungen, Sorgen und Kummer. Sie können übermäßig, aufdringlich und mächtig werden, sich grenzenlos im Kreis drehen und sogar stecken bleiben. Gedankenschleifen finden zu keinem Ziel und bringen unseren Körper und Geist in eine Schieflage.

Zwanghaft zu denken und danach zu handeln, sind Versuche unsere Ängste und Nöte aufzuhalten. Denken wird zum Aberglauben. Das Gedankenkreisen ist anstrengend, macht uns unzufrieden und verdrängt unsere eigenen Bedürfnisse und Notwendigkeiten. Es fällt uns schwer sich zu konzentrieren, wichtige Dinge ins Gedächtnis zu rufen und am Abend entspannt ein- und durchzuschlafen. Wir befinden uns nicht mehr in einem gesunden Dialog mit uns. Diese ständige Überforderung im Kopf führt zu Stress, Konflikten, Erschöpfungszuständen und depressiven Stimmungen.

Wie wir das Gedankenkreisen unterbrechen können

„Der Gedanke ist alles und ist am Anfang von allem. Gedanken lassen sich lenken. Daher ist das Wichtigste: Die Arbeit an den Gedanken.“ (Leo Tolstoi)

Im unablässigen Strom der Gedanken gilt es herauszufinden, wie wir unseren Geist beruhigen und unser Nachdenken bewusst und gesund lenken können. Folgende Anregungen können uns helfen, selbst aktiv zu werden und gedanklich immer wieder abzuschalten:

1. Unterscheiden Sie zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem

Werden Sie Beobachter Ihrer Gedanken und nehmen Sie sie wertfrei entgegen. Hinterfragen Sie sich dann: Mache ich mir Gedanken um Sachverhalte oder sind es meine persönlichen Reaktionen? An welchen Dingen kann ich etwas ändern, mit welchen muss ich mich abfinden? In der Regel kreisen unsere Gedanken um Unwesentliches, um unabänderliche Fakten. Wenn das der Fall ist, lassen Sie Ihre Gedanken wieder los und befreien Sie sich bewusst von Ihnen. An Sachverhalten bzw. Fakten gedanklich festzuhalten, die nicht in Ihrer Hand liegen, ist mühevoll und sinnbefreit: Im Leben begegnen uns stets Freunde und Feinde. Das Leben ist nicht gerecht und zudem können wir andere Menschen nicht ändern. Doch wir können anerkennen, was ist und lernen, damit zu leben.

Unsere persönlichen Regungen und Emotionen liegen in unserer Hand. Hier können wir aktiv werden und entsprechend handeln. Es geht um etwas Wesentliches das Sie selbst verändern und beeinflussen können. Nehmen Sie sich für diese Art der Gedanken bewusst Zeit, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, mit Beteilligten ins Gespräch zu kommen, eine für Sie passende und klare Entscheidung zu finden und danach zu handeln. So werden wir selbst wirksam und trauen uns etwas zu. Unser Selbstbewusstsein wird gestärkt, wir fühlen uns gut.

 

2. Leben Sie im Hier und Jetzt 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie oft Ihre Gedanken in die Zukunft schweifen? Vielleicht ertappen Sie sich selbst bei negativen Voraussagen und sagen zu sich: „Ich weiß schon, dass ich heute Nacht wieder nicht durchschlafen und morgen völlig erschöpft sein werde.“? Versuchen Sie sich weniger über die Zukunft zu sorgen und was alles geschehen kann. Das reibt uns auf und kostet wertvolle Energie. Genauso können wir mentale Energie verschwenden, wenn wir nicht anerkennen, was ist. Wir sind in der Vergangenheit gefangen, indem wir uns über Dinge erregen, die längst geschehen sind. Was hinter uns liegt, können wir weder wiedergutmachen noch beeinflussen. Leben Sie daher so weit wie möglich im Hier und Jetzt, um lästige und ungesunde Gedankenschleifen zu vermeiden. Genießen und nehmen Sie den Augenblick wahr!

 

3. Notieren Sie Ihre Gedanken

Schreiben Sie jeden Tag etwas von Ihren Gedanken und Einfällen auf. Es geht nicht um schriftstellerisches Können, seitenlange Memoiren und schöngefärbte Erlebnisse. Halten Sie bewusst inne, und notieren Sie spontan Gedanken, Gefühle, Einfälle und Erlebnisse in Ihren Worten. Sie schaffen einen persönlichen Raum, um das Chaos des lauten Denkens zu ordnen, eigene Verhaltensmuster offenzulegen und Klarheit für die eigene Lebenslage zu gewinnen. Wir fühlen uns im Wort aufgehoben und können Aufgaben leichter bewältigen. Das beruhigt und befreit uns von Belastungen und Abhängigkeiten im Gedankenkreisen. 

 

4. Bewegen Sie sich

Ein weiteres wirksames Mittel gegen die Grübelei ist Bewegung. Wenn wir uns regelmäßig mindestens 30 Minuten bewegen (z.B. in Form von straff gehen, Rad fahren, schwimmen) beanspruchen wir unseren Körper und unsere Atmung. Es bleibt kaum Raum für Gedanken und wir empfinden mehr Freude an den Dingen des täglichen Lebens. Zudem verbessert sich unsere Schlafqualität, wir stärken unser Immunsystem und unsere Knochen und schützen uns gegen Herz- und Gefäßkrankheiten. Bewegung für Körper, Geist und Seele.

Unser stress- und reizvolles Leben und das damit verbundene Gedankenkreisen erfordert ein besonders achtsames Maß an Selbststeuerung, -kontrolle und -regulation. Gehen wir achtsam und ehrlich mit uns um, nehmen wir unser Leben bewusster wahr, genießen es, erlangen Ruhe und Klarheit und stärken unsere positiven Ressourcen. Nutzen wir also unsere Einflußnahme, um mal wieder gedanklich abzuschalten. Legen wir los!

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“ (Buddha)